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Vorstand
Vereinsdialog beim SVH

 

»Holtebüttel rockt!« Seit 2010 lockt das unter diesem Slogan veranstaltete Musikfestival einmal im Jahr Gäste aus nah und fern in die 900 Einwohner zählende Ortschaft im Landkreis Verden.

 

Ein großes »H« für Holtebüttel und ein großes »R« für rockt schmückt seit dieser Saison die Trikots der 1. Frauenmannschaft des örtlichen Sportvereins. Pünktlich zur Heimspielpremiere am 6. September gegen Ahlerstedt/Ottendorf III (2:1) präsentierten die Spielerinnen ihren schicken neuen Dress – blaue Trikots, die mit zwei orangefarbenen Querstreifen durchsetzt sind.

Die Mannschaft, die in der Weststaffel der Bezirksliga Lüneburg spielt, ist das Aushängeschild des SV Holtebüttel, in dem 425 Menschen in vier Sparten organisiert Sport treiben. 226 von ihnen spielen Fußball, 122 gehören der Abteilung Fitness-Gymnastik-Ski an, 13 Mitglieder kegeln und vier weitere betreiben Leichtathletik, wofür sie das Stadion in der gut zehn Kilometer entfernt gelegenen Kreisstadt Verden nutzen.

Spielführerin der Bezirksliga-Frauen ist Miriam Thiesfeld. Drei Tage vor dem erfolgreichen Saisonauftakt gegen Ahlerstedt sitzt die 22-Jährige im Vereinsheim des SVH mit Gästen zusammen. Anlässlich des »Vereinsdialogs« haben Vertreter des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) Holtebüttel als Zieladresse in ihr Navi-Gerät eingegeben. Es sind NFV-Vizepräsident Egon Trepke, der in Gifhorn wohnt, Lüneburgs stellvertretender NFV-Bezirksvorsitzender Walter Kopf, der im Landkreis Cuxhaven beheimatet ist, und der NFV-Referatsleiter Steffen Heyerhorst (IT, Organisation und Rechtsberatung), dessen Schreibtisch in Barsinghausen steht. Zudem hat Verdens NFV-Kreischef Horst Lemmermann seinen Wagen vor der Anlage an der Nassen Straße geparkt. Seine Anreise ist die mit Abstand kürzeste, schließlich sind es von seinem Zuhause in Langwedel bis zum SVH-Sportplatz nur knappe drei Kilometer.

Der Termin, der für 90 Minuten plus gegebenenfalls einer Verlängerung über 30 Minuten angesetzt ist, beginnt mit einem Rundgang über die gut zwei Hektar große Anlage. Im Auftrag der Einheitsgemeinde Langwedel, zu der die Ortschaft Holtebüttel gehört und die Grundeigentümer des Areals ist, werden die zwei Rasenplätze und das Trainingsfeld von einer Gärtnerei gemäht. Für die Pflege erhält der SVH einen jährlichen Betrag von 1.000 Euro pro Platz. Auch bei Betriebskosten, Sportgeräten und Baumaßnahmen steht die Gemeinde dem Verein mit Zuschüssen zur Seite.

Nach der Führung über die Plätze bitten der 1. Vorsitzende Wolfgang Röttjer und seine Vorstandskollegen ins Vereinsheim. Zwischen 2010 und 2012 wurde

das Gebäude renoviert und die Heizungsanlage erneuert. Solarplatten auf dem Dach sorgen für Wärmegewinnung und tragen zur Reduzierung der Kosten bei. »Vor der Renovierung hatten wir einen Verbrauch von 70 bis 80.000 Kilowattstunden, jetzt liegen wir bei 50.000«, informiert Kassenwart Michael Grimm.

Die Renovierungskosten beziffert er auf rund 45.000 Euro, die durch Eigenleistung, Spenden, Zuschüsse, Darlehen sowie sogenannte Bausteine aufgebracht wurden. Bei den Bausteinen handelt es sich um zinslose Darlehen von Privatpersonen über 20, 50 oder 100 Euro. Pro Jahr erzielt der SV Holtebüttel einen Umsatz von 100.000 Euro. »Als kleiner Verein bewegen wir uns in einem engen finanziellen Rahmen. Größere Ausgaben dürfen nicht kommen«, sagt Grimm zur wirtschaftlichen Gesamtsituation.

Im Dachgeschoss des Vereinsheimes entstand 2011 ein rund 100 Quadratmeter großer Gymnastikraum, »der uns ein wenig Unabhängigkeit von den Hallenzeiten gebracht hat« (Röttjer). Vier Umkleidekabinen, ein Saal mit Theke und Terrasse sowie ein Aufenthaltsraum,

der ebenfalls einen kleinen Ausschankbereich beinhaltet, runden neben den sanitären Anlagen das Angebot des Klinkerbaus ab.

In dem Aufenthaltsraum, der links vom Eingang im Erdgeschoss liegt, findet nach der Vorstellung von Anlage und Gebäude der Vereinsdialog statt. »Der Dialog ist Teil des Masterplans, der 2012 vom DFB auf den Weg gebracht wurde und der den heutigen Amateurfußball zukunftssicher machen soll«, erklärt Egon Trepke zu Beginn. Seit 2013 führt der NFV jährlich insgesamt zwölf Vereinsdialoge durch, der Termin in Holtebüttel ist der sechste im Jahr 2015. Durch den unmittelbaren Austausch soll ein Gefühl für die Vereins- und Verbandsrealität geschaffen werden. »Wir möchten die Transparenz über gegenseitige und gemeinsame Ziele, Herausforderungen und Erwartungen verbessern«, sagt Trepke.

Welche Probleme hat der Klub? Was läuft gut? Was läuft schlecht? Wie läuft überhaupt die Kommunikation mit dem NFV? Und vor allem: Wie kann der Verband helfen? Das sind beispielhafte Fragen eines jeden Dialogs, der die Themenschwerpunkte Kommunikation, Entwicklung Spielbetrieb, Ehrenamt im Verein und Finanzen beinhaltet.

Das Kernproblem in Holtebüttel ist die Überalterung. Im Dorf, im Sportverein. »Die Entwicklung der Gemeinde Langwedel findet nicht hier statt. Wir haben keinen Ortskern mehr, keine Geschäfte und auch keine Neubaugebiete«, berichtet Röttjer und spricht vom »Ausbluten« seines Dorfes. Zugleich zeigt der Vereinsvorsitzende aber auch Verständnis für die Siedlungspolitik, da die Ortschaften Richtung Bremen, Etelsen, Cluvenhagen oder auch Langwedel/Daverden, so Röttjer, »brummen«.

In seinem SV sind nur 14 Prozent der Mitglieder unter 18 Jahre jung, dafür aber 34 Prozent zwischen 41 und 60 Jahre alt. Weitere 21 Prozent gehören der Altersgruppe 60 plus an. »Dadurch besteht in allen Sparten eine Abhängigkeit von außerörtlichen Zugängen«, steht in der Vorlage, die der Verein für den Dialog erstellt hat. In der Fußballsparte setzen die Verantwortlichen auf den Mädchen- und Frauenfußball. »Da es im Nachbarbereich keine weiblichen Angebote gibt, sehen wir diese Fokussierung als Chance«, sagt Röttjer. So besteht die Fußball-Jugendabteilung beim SV Holtebüttel ausschließlich aus Juniorinnenmannschaften. E/F, B und C. »Bei den Jungen ist die Konkurrenz durch den FSV Langwedel-Völkersen und den TSV Dauelsen zu groß. Eigene Mannschaften bekommen wir nicht mehr auf die Beine gestellt«, erklärt Röttjer. Neben den Juniorinnen besteht die Fußballsparte aus zwei Herrenteams, die in der 2. und 3. Kreisklasse spielen, der Seniorenmannschaft Ü 50, die ohne Wertung am Spielbetrieb teilnimmt, und zwei Frauenteams.

Wie so viele kleine Vereine wird auch der SVH durch wenige Ehrenamtliche getragen. Beispiel Wolfgang Röttjer. Der 47-Jährige ist nicht nur 1. Vorsitzender, sondern auch Trainer der B-Juniorinnen. Zudem wirkte er als Fußballobmann, ehe er in Volker Krull einen geeigneten Nachfolger fand. »Durch die vielen Doppelfunktionen im Verein bleibt wenig Zeit für Aus- und Fortbildung. Dabei ist das NFV-Programm durchaus attraktiv«, sagt Röttjer. Vor diesem Hintergrund rennt Egon Trepke mit seiner Frage »Hättet Ihr Interesse an Kurzschulungen zum Thema: Wie gewinne ich Ehrenamtliche?« offene Türen ein. »Daran bin ich sehr interessiert. Das schwebt mir schon länger im Kopf herum«, antwortet Röttjer.

Begeistert zeigt sich Röttjer, der keine Lizenz hat, während des Gesprächs vom DFB-Angebot »Training online«, das er regelmäßig vor den Einheiten mit seinen

B-Juniorinnen nutzt. Welche Wünsche hat der Verein an den Verband? »Bei den Schiedsrichtern sollte der NFV die Vereine nicht bestrafen, sondern bei der Gewinnung finanziell unterstützen, weil die Gewinnung vor Ort nur über finanzielle Anreize geht«, sagt Röttjer. Obwohl der SVH die Ausrüstung bezahlt und jedem Unparteiischen Beitragsfreiheit gewährt, verfügt Holtebüttel derzeit über keinen einzigen aktiven Referee. Bei fünf für den Spielbetrieb gemeldeten Mannschaften droht eine Strafe von 1.000 Euro. Fußballobmann Volker Krull hat im Oktober einen Anwärterlehrgang begonnen, doch außer ihm hat sich bisher noch kein Interessent gefunden. »Ich sehe keine Perspektive, dass wir bis März nächsten Jahres fünf Schiedsrichter haben werden«, sagt Röttjer.

Auf seinem Wunschzettel steht zudem eine Entschärfung der NFV-Gebührenordnung. Die Tarife für Passausstellung oder Zweitspielrecht seien teilweise nicht vermittelbar. »Jede Passausstellung ist mit Arbeit verbunden«, verdeutlicht Trepke zu diesem Punkt.

In sieben Jahren feiert der 1922 gegründete SV Holtebüttel sein 100-jähriges Vereinsjubiläum. Ein paar Zeugnisse der Vergangenheit schmücken die Wände des Aufenthaltsraumes im Erdgeschoss des Vereinsheimes. Eine Urkunde weist die Blau-Weißen in der Saison 1933/34 als Fußball-Meister der Allerstaffel im Kreis Verden-Soltau aus. Ein weiteres Dokument, es ist ein Schwarzweiß-Foto, bildet die Mannschaft der Anfangsjahre ab. Michael Grimm zeigt auf einen Spieler in der hinteren Reihe. Es ist Johann Intemann, sein Großvater. Das Engagement im und für den SV Holtebüttel hat also in seiner Familie Tradition. Sie wird nicht nur durch ihn, sondern auch durch seinen Bruder Jörg fortgesetzt, der als Jugendobmann wirkt. Wie geht es mit dem SVH weiter? Michael Grimm: »Die Mitgliederstärke halten und das Programm attraktiv zu gestalten ist unsere wichtigste Herausforderung für die Zukunft!«

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